31.07.2013 - 45-jähriger Arbeiter gerät in Förderschnecke eines Getreidesilos

Kommentar von Robert Winkler, Pressesprecher des KFV Wetterau:

Als wäre der tragische Unfall des Arbeiters am Montag in Södel nicht schlimm genug, waren am Dienstag in der Print- und Online-Ausgabe einer großen deutschen Boulevardzeitung Bilder mit schrecklichen Details des Unglücks zu sehen. Ich will dieses Verhalten ganz bewusst nicht bewerten, das möge jeder Leser für sich selbst tun. Gleichwohl frage ich mich aber inwieweit diese reißerische Darstellung mit dem Pressekodex des Deutschen Presserates übereinstimmt, in dem u.a. ethische Grundsätze festgeschrieben sind und der Schutz der Persönlichkeit als hohes Gut genannt werden.

Wesentlich mehr bedrückt mich die Tatsache, dass die veröffentlichten Bilder von Einsatzkräften stammen müssen, die an der Einsatzstelle tätig waren. Verbotenerweise sind diese Bilder in den Besitz dieses Blattes gelangt. Jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau, jeder Mitarbeiter der Rettungsdienste und jeder Polizeibeamte weiß, dass über alle Angelegenheiten Verschwiegenheit zu wahren ist, von denen im Rahmen der Dienstausübung Kenntnis erlangt wurde. Ebenso ist es verboten, dienstliche Aufzeichnungen für nichtdienstliche Zwecke zu fertigen. Dazu gehören selbstverständlich auch Bildaufnahmen mit Handykameras. Verstöße gegen diese Dienstpflichten können disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen und werden je nach Schwere als Ordnungswidrigkeit oder als Straftat geahndet.

Nur der Einsatzleiter oder eine von ihm beauftragte Person gibt Auskünfte an die Presse. Das Fotografieren und Filmen von Einsätzen der Feuerwehr unterliegt grundsätzlich nur außerhalb des abgesperrten Einsatzbereiches keinen rechtlichen Schranken. Die ethische Grenze bei der Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen ist der Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Für die interne Einsatzdokumentation ist das Fotografieren und Filmen zulässig. Auch an der Einsatzstelle in Södel wurde aus diesem Grund fotografiert. Diese Bilder bleiben aber unter Verschluss, auch ich kenne sie nicht.

Gerade deshalb ärgert es mich, dass unsere Dokumentaristen, die ihre Arbeit ernst nehmen und verantwortlich handeln, in Verruf geraten. Ich appelliere an unsere Feuerwehrleute dieses verbotene Tun zu unterlassen, das Handy in der Tasche zu lassen und pflichtgemäß zu helfen. Gleichzeitig bitte ich unsere Führungskräfte, durch Aufklärung und Bewusstseinsbildung die Eigenverantwortung der Einsatzkräfte zu stärken.

Nachtrag von Robert Winkler am 07.08.2013:

Der Fotograf, der die Bilder gemacht und ohne Genehmigung weitergegeben hat ist inzwischen bekannt. Er kommt nicht aus den Reihen der Wetterauer Feuerwehren und ist kein Mitarbeiter der beteiligten Rettungs- und Hilfsdienste oder der Polizei.

 

Södel - Ein schwerer Arbeitsunfall in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ortsteil Södel beschäftigte die Feuerwehrleute aus Södel und Wölfersheim sowie drei Rettungswagen mit der Besatzung von ASB und Johanniter. Ebenfalls waren der Rettungshubschrauber Christoph 2 aus Frankfurt, die Notfallseelsorge und Kameraden der Berufsfeuerwehr Frankfurt mit ihrem Feuerwehrkran an der Einsatzstelle.

Am Montag wurden die Einsatzkräfte gegen 18.40 Uhr von der Zentralen Leitstelle in Friedberg alarmiert. Zuvor wurde die RTW-Besatzung des in Wölfersheim stationierten ASB zur Unfallstelle gerufen. Diese forderten zügig nach ihrem Eintreffen die Unterstützung der Feuerwehr an.

Bei Reinigungsarbeiten war ein Arbeiter im Getreidesilo in die Förderschnecke geraten, während diese sich noch drehte. Dabei wurde sein linker Fuß so stark eingeklemmt, dass er sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien konnte. Ein Arbeitskollege, der mit ihm im Silo arbeitete, blieb unverletzt und konnte den Notruf absetzen.

Erster Feuerwehrmann an der Einsatzstelle war Gemeindebrandinspektor Roland Bender, ihm folgten die Wehren aus Wölfersheim und Södel. Nach und nach trafen das Södeler TSF-W und der Gerätewagen, aus Wölfersheim das HLF 20/16 sowie der RW 1 ein. Die Aufgabe, die sich den Feuerwehrleuten bot, war keine leichte. Einsätze wie dieser können in keiner Übung dargestellt werden, sodass es wieder einmal auf die reibungslose Zusammenarbeit aller Kräfte vor Ort ankam.

Unter Absprache mit dem Rettungsdienst befreiten die Feuerwehrleute den verunfallten Mann aus dem Getreidesilo. Dies war jedoch nur möglich, in dem eine Rettungsöffnung in die Wand geschnitten wurde. Die Gefahr bestand darin, dass sich der Staub und das Getreide im Inneren durch den Funkenflug hätten entzünden können. Aus diesem Grund wurde eine C-Leitung, ausgehend vom Södeler TSF-W zum Getreidesilo verlegt. Zeitgleich versuchten die Kräfte im Inneren, das Unfallopfer mit Leiterteilen und Brettern gegen ein weiteres Abrutschen zu sichern.

Zunächst war nicht ersichtlich, dass der Fuß durch die enorme Kraft der Förderschnecke vom Unterschenkel abgetrennt worden war. Zu viel Getreide versperrte dem Rettungsdienst die Sicht. Erst nachdem die Rettungsöffnung geschaffen war und der Notarzt dadurch einen besseren Blick auf das Bein des Unfallopfers hatte, konnte er das Ausmaß der Verletzungen überblicken. Nach Anweisung durch den Mediziner retteten die Feuerwehrleute schließlich das Unfallopfer aus dem Silo.

Im Rettungswagen wurde der verunglückte Arbeiter vom Rettungsdienst soweit stabilisiert, dass er im Rettungshubschrauber in die Uniklinik nach Frankfurt-Höchst geflogen werden konnte.

Die Hoffnung, dass der amputierte Fuß in der Klinik noch zu retten war und dem Unfallopfer wieder angenäht werden könnte, beschäftigte weiterhin die Feuerwehrleute. Die Förderschnecke musste aus dem Silo gehoben werden, um den Fuß daraus zu befreien. Aufgrund des hohen Gewichts und der Höhe war kein unmittelbar zur Verfügung stehendes Gerät in der Lage die Förderschnecke weit genug aus dem Siloturm zu ziehen. Also entschied sich die Einsatzleitung, den Kran der Berufsfeuerwehr Frankfurt nach Södel zu beordern. Mit dessen Hilfe war es dann möglich, das Förderrohr aus dem Silo zu heben und den Fuß daraus zu befreien. Wie erst später bekannt wurde, mussten die Ärzte im Klinikum dem Unfallopfer den gesamten Unterschenkel abnehmen.

Erst Stunden, nach dem der Rettungshubschrauber die Unfallstelle verlassen hatte, konnten auch die Feuerwehrleute aus Södel, Wölfersheim und Frankfurt den Betriebshof räumen.

Während der gesamten Einsatzdauer betreuten die Kräfte der Notfallseelsorge die Kollegen und Familienangehörigen des Unfallopfers. Für die Helfer stellte das Team um Gregor Rettinghaus ebenfalls eine große Stütze dar. Bei diesem nicht alltäglichen Einsatz war die mentale Belastung aller Beteiligten nicht zu unterschätzen.

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Blick auf den Betriebshof, der Feuerwehrkran der BF Frankfurt hebt das Rohr der Förderschnecke an.

Text & Foto: Sabrina Reitz, FF Södel

   
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